Macht Musik schlau? - SPc Verlag Schulplaner

Macht Musik schlau?

Macht Musik schlau?

In den 1990ern war es das nächste große Ding in der Bildung: Der Mozart-Effekt. Eine Studie der University of California, Irvine hatte herausgefunden, dass Studenten, denen 10 Minuten lang eine Sonate von Mozart vorgespielt wurde, danach bei Intelligenztests deutlich besser abgeschnitten haben. Daraufhin begannen viele Mütter, ihre ungeborenen Kinder bereits im Mutterleib mit der Musik des österreichischen Musikgenies zu beschallen.

Einfach nur Zuhören reicht nicht aus

Dieser Hype fand zumindest wissenschaftlich schnell ein Ende, weil nachfolgende Studien die Ergebnisse nicht wirklich untermauern oder auch nur wiederholen konnten. Vielmehr wird der positive Effekt der Stimmung zugeschrieben, die bei dem Hörer ausgelöst wurde: Die Musik regt die Aktivität des Gehirns an, sodass man kurzzeitig leistungsfähiger ist. Dies lässt sich beispielsweise in dieser Studie nachlesen. Das heißt aber natürlich nicht, dass Musik keinerlei positive Effekte hat.

Selber machen macht schlau!

Der Spruch klingt abgedroschen, aber wie so häufig ist auch hier etwas Wahres dran. Ja, zugegebenermaßen wäre es auch zu einfach, sich nur den Kopfhörer aufsetzen zu müssen und innerhalb von zehn Minuten zur Intelligenzbestie zu werden.

Nein, man muss selbst ran ans Instrument, hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergeben. In ihr wurden die musikalischen Hintergründe von knapp 4.000 Jugendlichen analysiert, und dabei kam heraus, dass es Kindern zugute kommt, wenn sie schon von klein auf Musikunterricht erhalten: Die Schulnoten von Kindern insbesondere aus weniger gebildeten Familien waren in der Studie signifikant besser als die von Schülern, die nicht bereits als Kind begonnen haben, ein Instrument zu lernen.

Musikunterricht für alle

Dennoch, so die Studie, hängt es nach wie vor vom Bildungsniveau der Eltern ab, ob Kinder außerhalb der Schule den Musikunterricht besuchen. Dies wird als vermutlich auch Kostengründe haben, denn nicht jede Familie kann es sich leisten, ihren Kindern Instrumente zu beschaffen und sie dann professionell unterrichten zu lassen.

Glücklicherweise bieten aber mittlerweile schon viele Schulen Bläser- oder Streicherklassen an. Dort bekommen Schüler mit einem geringen Unkostenbeitrag Instrumente geliehen, Notenmaterial zur Verfügung gestellt und den entsprechenden Unterricht erteilt.

Noch mehr Vorteile

Und nicht nur die Noten in den meisten Schulfächern verbessern sich bei vielen der Schüler: Durch die gemeinsame Beschäftigung mit den Instrumenten und dem Zusammenspiel in den eigenen kleinen Orchester verbessert sich auch das Klassenklima nachhaltig. Die Schüler lernen Zusammenhalt in der Klasse, der auch über das gemeinsame Musizieren hinausgeht. Außerdem wird natürlich die Motorik geübt, sowie das Zusammenspiel beider Hände.  

Und was ist jetzt mit dem Mozart-Effekt?

Wie eingangs schon gesagt ist es leider ein Trugschluss, dass man vom Mozart-Hören plötzlich schlau wird. Was aber durchaus helfen kann, ist, beim Lernen ruhige Musik mit nicht zu viel Text zu hören, wie der Motivationspsychologe Dr. Martin Krengel schreibt. Klassik eignet sich eben besonders gut, weil sie in der Regel nicht so hektisch ist und außerdem ohne Gesang auskommt, der ansonsten schnell ablenkt. Sie blendet stattdessen ablenkende Umweltgeräusche aus und regt außerdem das Gehirn an – es werden gute Voraussetzungen zum Lernen geschaffen. Außerdem lernt man bekanntlich am besten, wenn man sich wohlfühlt, und das schließt sowohl einen angenehmen, aufgeräumten Arbeitsplatz als auch das restliche Drumherum mit ein.

Und wem Klassik zu altmodisch oder schlicht zu langweilig ist…

…dem empfehle ich aus eigener Erfahrung Soundtracks! Auch da muss man natürlich ein bisschen darauf achten, was man sich aussucht, damit es nicht so hektisch wird. Meine persönlichen Highlights zum Lernen (und auch zum Schreiben!) umfassen übrigens das Filmkomponisten-Schwergewicht Hans Zimmer (insbesondere die Dark Knight Trilogie, Inception, Gladiator und Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt), Harry Gregson-Williams (Die Chroniken von Narnia, Königreich der Himmel und Prince of Persia) und den Soundtrack zur Neuauflage von Battlestar Galactica von Bear McCreary.