Nachrichten im Internet (Teil 2): Achtung, Clickbait!

Was versteht man unter Clickbaits?

 

“Zehn Fakten über Hundebabys, Nummer fünf wird dich zu Tränen rühren!”

So oder so ähnlich sehen sie aus, die typischen Clickbaits, oder Klickköder: Überschriften, die so neugierig machen, dass wir unbedingt wissen wollen, wie es weitergeht. Die Inhalte sind oft weniger polarisierend wie Fake News. Häufig sind es eben Themen wie oben als Beispiel genannt: Süße Tierbabys, rührende Geschichten – und manchmal auch ein Aufreger.

Der Hintergrund dieses Phänomens ist in der Regel weniger, falsche Nachrichten zu verbreiten, sondern einfach die eigene Reichweite des Webauftritts zu vergrößern. Viele Klicks auf der Seite bedeutet, dass sie viele Besucher hat, und viele Besucher bringen viele Werbeeinnahmen. Listen oder Fotostrecken sind besonders beliebt, da Besucher mehr Zeit auf der Seite verbringen müssen – und automatisch mehr klicken.

Aber warum klicken wir denn?

Das Gemeine ist: Meist ist der Inhalt längst nicht so spektakulär, wie die Überschrift verspricht. Clickbaiting funktioniert, weil die Neugier des Menschen angesprochen wird, und der Drang des Gehirns, Dinge abzuschließen. Soap Operas nutzen das System ja bekannterweise auch, denn natürlich schaltet man am nächsten Abend wieder ein. Man muss schließlich unbedingt wissen, wie es weitergeht und ob sich Michelle und Kevin jetzt am Ende endlich in den Armen liegen.

Und genau das ist ein weiteres Phänomen, wie und warum Clickbaiting funktioniert. Bei den traditionellen Nachrichten gilt ja in der Regel die Devise: je schockierender und dramatischer, desto besser. Beim Clickbaiting dagegen ist es eher anders herum. Man springt eher auf positive Inhalte an, wie mehrere verschiedene Beispiele bereits gezeigt haben. Je emotionaler das Ganze dann noch ist, desto besser. Wer klickt sich nicht gern durch eine Galerie von süßen Hundewelpen? Und natürlich möchte man wissen, ob Nummer fünf wirklich am knuffigsten ist, wie in der Überschrift versprochen.

An und für sich ist da jetzt erst einmal nichts schlimmes bei, denn weder das Internet noch die Gesellschaft werden zusammenbrechen, wenn man sich durch eine Fotostrecke mit Tierkindern klickt. Auch an und für sich seriöse Quellen wie ZDF heute haben sich schon des Clickbaitings bedient.

Wer profitiert davon?

Das Problem ist, dass häufig dabei untergeht, wem man da eigentlich seine Klicks “schenkt”. Häufig spielt sich beispielsweise auf Facebook das folgende Szenario ab:

Man sieht in seiner Chronik, dass ein Freund an einer Umfrage teilgenommen hat. Der Titel der Umfrage polarisiert, spricht Emotionen an und suggeriert schon die “richtige” Antwort, beispielsweise: “Findest du nicht auch, dass Kinderschänder härter bestraft werden sollen?” Natürlich müssen Kinderschänder hart bestraft werden! Man klickt auf “Ja”. Sofort verbreitet sich die Teilnahme weiter, denn jeder Freund sieht diese Umfrage jetzt ebenfalls in seiner Chronik. Und nicht nur das: Die Magie des Facebook-Algorithmus sorgt dafür, dass einem in Zukunft weitere, ähnliche Inhalte in der eigenen Chronik angezeigt werden.

Und was genau ist daran gefährlich?

Die Facebook-Freunde sehen hauptsächlich, dass man ein “guter” Mensch ist, der keine Kinderschänder mag. Worauf bei Facebook in der Chronik nämlich häufig nicht geachtet wird, ist die Herkunft der Umfrage oder auch des Artikels. Das oben genannte Beispiel ist häufig eine Masche von Seiten mit politisch rechter Gesinnung. Sie nutzen sie, um weitere Likes und eine größere Reichweite zu erhalten.

Die Seite sieht vielleicht an und für sich erst einmal ganz harmlos aus. Sie kommt dann mit Aussagen oder Umfragen daher, die entweder einigermaßen unschuldig wirken oder eben emotional nur eine einzige richtige Antwort suggerieren: Was für ein Mensch ist man denn auch, wenn man da nicht sofort auf “Ja” klickt? Vielleicht hat die Seite ja auch noch andere Umfragen, die Spaß machen könnten? Man “liked” also am besten einfach die ganze Seite, ohne so genau hinzusehen.

Wenn man sich diese Seiten dann allerdings genauer anschaut, stellt man oft fest, dass sie von Nutzern betrieben werden, die Parteien aus dem rechten Spektrum nahe stehen oder denen sogar angehören, oder die über Likes mit Seiten rechter Parteien verbunden sind. Und schon hat man Seiten mit Überzeugungen unterstützt, die man vielleicht selbst nicht teilt, und auch noch für deren Weiterverbreitung gesorgt.

Was genau tut man also dagegen?

Die Antwort ist die gleiche wie bei den Fake News: Quellen checken und aufklären. Eine gute Anlaufstelle für Fakes aller Art ist Mimikama, Verein zur Aufklärung von Internetmissbrauch. Dort findet man Informationen zu aktuellen Falschmeldungen. Außerdem kann man eigene Anfragen starten, wenn man sich nicht sicher ist, wie eine aktuelle Nachricht zu bewerten ist.

Auch der Niedersächsische Bildungsserver bietet Informationen und Arbeitsblätter für Schüler an, damit sich in der Schule mit diesem Thema auseinandergesetzt werden kann. Denn wenn man Schülerinnen und Schüler bereits früh für diese Themen sensibilisiert, sind die Chancen größer, dass sie nicht auf die erwähnten Maschen hereinfallen. Gegen Fake News oder Clickbait-Artikel kann man nämlich in der Regel nicht viel tun. Zumindest ist es aber ein guter Start, genau zu wissen, wie man so etwas erkennt, und es dann konsequent nicht weiterteilt.